Die Venus
Von der Sonne aus gesehen ist die Venus der zweite Planet unseres Sonnensystems. Sie befindet sich in durchschnittlich 108 Millionen Kilometer Entfernung und hat einen Äquatordurchmesser von 12104 Km, der damit nur etwas kleiner als jener der Erde ist. Ihre sehr dichte Atmosphäre besteht hauptsächlich aus Kohlendioxid. Undurchdringliche Wolken umhüllen ihre Oberfläche und machen damit eine direkte Beobachtung unmöglich. Im Teleskop erscheint Venus als eine gleichmäßige weißgelbliche Scheibe.In der Antike war die Venus die Göttin der Liebe und Schönheit. Wahrscheinlich wurde die Venus nach ihr benannt, da sie am Firmament als hellster aller Planeten zu sehen ist.
Seit grauster Vorzeit ist die Venus den Menschen bekannt. Da sie oft in der Morgen -und Abenddämmerung am Himmel zu sehen ist, erhielt Sie die Beinamen Morgen -und Abendstern.
Das erste menschliche Fahrzeug, das die Venus besuchte, war Mariner 2 im Jahre 1962. Es folgten bis heute über 20 weitere.
Am 5. Februar 1977 nahm die Raumsonde Mariner 10 den Planeten aus 5800 Km Distanz auf. Durch ihre Objektive wird die Venus mit einem komplexen Muster aus wirbelnden hellen und dunklen Wolken sichtbar, die sich langsam von den Polen in Richtung des Äquators bewegen.
Im Jahre 1990 erreichte die Raumsonde Magellan den Venusorbit. Magellan umkreiste die Venus mehrere Jahre und lieferte mit Hilfe ihres Bordradars detaillierte Informationen über die Venusoberfläche.Lange Zeit nannte man die Venus "Schwester der Erde", und zwar nicht nur weil ihre Größe und Dichte jener der Erde ähnelt, sondern auch aufgrund der in etwa gleich hohen Menge an aufgenommener Sonnenenergie. Da Venus näher bei der Sonne liegt, empfängt sie zwar doppelt so viel Sonnenlicht wie die Erde, aber durch die hohe Reflektionsfähigkeit ihrer dichten Atmosphäre absorbiert sie genau dieselbe Lichtmenge wie die Erde. Auch finden sich auf der Oberfläche der Venus ebenso wie auf der Erde kaum Einschlagkrater von z.B. Meteoriten.
Manche Wissenschaftler gingen früher sogar davon aus, daß die Venus unter ihrer dichten Atmosphäre ähnlich wie die Erde sei und vielleicht Leben hervorgebracht haben könnte.
Die jüngsten Forschungen haben jedoch gezeigt, daß die Venus keineswegs der Erde ähnelt: Venus ist ein extrem heißer Himmelskörper, dessen Oberflächentemperatur ca. 500° Celsius erreicht. Ihre Atmosphäre setzt sich nicht wie jene der Erdatmosphäre aus Stickstoff und Sauerstoff zusammen, sondern aus Kohlendioxid. Der atmosphärische Druck an der Oberfläche ist etwa 90mal höher als auf der Erde, auf der sich vergleichbar hohe Werte nur in den größten Tiefen der Meere finden lassen. Auf der Venus kommt Wasser nur in kleinsten Mengen vor, und die Wolken beinhalten Schwefelsäure und zahlreiche andere ätzende Verbindungen.
In den oberen Schichten der Venusatmosphäre toben Stürme mit Windgeschwindigkeiten bis zu 350 km/h. Auf der Oberfläche hingegen weht nur dann und wann ein laues Lüftchen mit Windgeschwindigkeiten von wenigen Stundenkilometern.Die Oberfläche der Venus ist überall sehr eben. Es gibt aber auch einige große Senken, wie z.B. Atalanta Planitia, Guinevere Planitia oder Lavinia Planitia. Außerdem gibt es noch zwei große Hochebenen. Ishtar Terra, größer als Australien auf der Nordhalbkugel der Venus gelegen, und Aphrodite Terra, so groß wie ganz Südamerika entlang des Äquators gelegen.
Neuste Daten aus der Magellan-Misison zeigen, daß ein Großteil der Venusoberfläche von erkalteten Lavaströmen bedeckt ist. Es gibt mehrere große Schildvulkane wie z.B. den Sif Mons (Bild rechts >>). Diese sind ähnlich den Vulkanen auf Hawaii oder dem Olympus Mons auf dem Mars. Heute gibt es auf der Venus fast keine vulkanischen Aktivitäten mehr. Die Geologie unseres Nachbarplaneten ist in den letzten Jahrmillionen verhältnismässig ruhig geworden.
Die Rotationsbewegung des festen Venuskörpers ist im Vergleich zur Erde weitaus langsamer: für eine komplette Rotation benötigt Venus eine Zeitspanne von 243 Erdtagen; dabei ist die Rotationsrichtung retrograd, d.h. rückläufig. Zwei der meistdiskutierten Fragen der Planetologie betrafen genau diese ungewöhnliche Rotationseigenschaften: sowohl die Art als auch die Geschwindigkeit, mit der sich Venus um die eigene Achse dreht. Dieser wissenschaftliche Streit wurde über zwei Jahrhunderte lang geführt und hatte eine Fülle von Daten zum Ergebnis, die der Realität quasi in keinster Weise entsprachen.
Das Innere der Venus ähnelt vermutlich sehr dem Erdinneren: ein Eisenkern mit etwa 3000km Durchmesser umgeben von flüssigem Felsgestein.
Venus hat kein Magnetfeld, vielleicht wegen ihrer langsamen Rotation. Sie hat auch keinen Mond, auch wenn aus dem späten Mittelalter von verschiedenen Astronomen berichtet wird, die einen Begleiter der Venus beobachtet haben wollen.....
Links
- The Nine-Planets
Eine sehr interessante und äußerst sehenswerte Venus-Seite im Internet
